Es war Sommer, doch die Frau trug einen Wintermantel und Stiefel. Lydia Staltner hatte sie das erste Mal vor mehr als zwei Jahrzehnten bemerkt, vor ihrer Wohnung am Mariahilfplatz im Münchner Stadtteil Au. Eine alte Frau, gebückt, mit Gehwagen, und das bei 35 Grad. „Ich habe sie zwei Jahre beobachtet“, sagt Staltner. „Richtig gewartet, dass sie wiederkommt.“ Irgendwann fragte sie sich, warum die Frau immer dieselben Sachen trug. Dann wurde ihr klar: „Die hat nichts anderes zum Anziehen.“