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Articles by Rudolf Mitlöhner
Die neue vatikanische Offenheit
Wenn man vom Petersplatz in Rom zu den Vatikanischen Museen geht, bekommt man ein Gespür für die Wucht der sprichwörtlichen „vatikanischen Mauern“ – Sinnbild gleichermaßen für den Anspruch der römisch-katholischen Machtzentrale wie für deren mythenumrankte Unnahbarkeit. Und im Mittelpunkt des Zentrums der Papst, die Symbolfigur des Katholischen schlechthin. „Zeigen Sie mir eine Institution der Welt, die vom 1. bis zum 267.
Das ist wirklich Haltung
Ahmad Mansour, 50, arabischer Israeli und deutscher Staatsbürger, ist eine der wichtigsten Stimmen des öffentlichen Diskurses zu allem, was mit Integration, Islam(ismus), Radikalisierung etc. zu tun hat. Dass einer wie er unter Polizeischutz lebt, bezeichnet die Probleme, die er mit Verve und Kenntnis thematisiert, in a nutshell. Nun hat er ein Buch vorgelegt, in dem er zu „Haltung ohne Hass“ auffordert.
Europas Zukunft aus den Wurzeln
Es war eine mit Spannung erwartete Rede: Im lothringischen Metz würde Papst Leo XIV. zum Abschluss seiner Frankreich-Visite über die „Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ sprechen.
Missbrauch: „Es geht um mehr als Prävention“
P. Hans Zollner SJ geb. 1966 bei Regensburg; studierte Philosophie und Theologie, approbierter Psychotherapeut; 1990 Eintritt in den Jesuitenorden (Gesellschaft Jesu = Societas Jesu, SJ), 1995 Priesterweihe Kinderschutzkommission Papst Franziskus beruft ihn zum Mitglied der 2014 infolge des Missbrauchsskandals gegründeten Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen. 2023 verließ er die Kommission aufgrund von inhaltlichen Differenzen.
Geistige Spurensuche
Es ist kein bescheidenes Unterfangen: eine Darstellung Europas „vom frühen Christentum bis zur Aufklärung“ – mithin „vor seiner Entzauberung“. Der Untertitel könnte nahelegen, dem Autor ginge es um einen nostalgischen Rückblick, die Klage über eine untergegangene Welt, gar eine kulturpessimistische Geschichte des Niedergangs. Nichts davon.
Was alles Glück sein kann
Was für ein Leben! Und doch eines, das exemplarisch für viele steht: jenes von Hermann Heinz Engel, geboren 1923 in der Wiener Leopoldstadt, 2023, drei Monate nach seinem 100. Geburtstag, in Israel verstorben. 1939 konnte er gemeinsam mit 200 anderen Jugendlichen Wien mit dem Zug verlassen, um schließlich per Schiff im Hafen von Tel Aviv zu landen; seinen Vater sollte der knapp 16-Jährige beim Abschied am Bahnhof das letzte Mal sehen – Theodor Otto Engel (geb.
Neue Herausgeber für DIE FURCHE
Nach über einem Vierteljahrhundert an der symbolischen Spitze der FURCHE haben sich Wolfgang Schmitz und Bertram Jäger aus ihrer Funktion als Herausgeber zurückgezogen. In einer der schwierigsten Zeiten der an schwierigen Zeiten nicht armen FURCHE-Geschichte, 1976, trat die Styria unter ihrem damaligen Generaldirektor Hanns Sassmann als Retter dieser Zeitung auf den Plan.
Zwischen allen Fronten
Susanne Schröter ist eine mutige Frau. Bereits mit ihrem Buch „Der neue Kulturkampf“ (2024) hatte sie schonungslos analysiert, „wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht“. Nun legt sie gewissermaßen noch eins drauf: „Links, rechts, islamistisch“ heißt ihr neues Buch über die „wahren Feinde der Demokratie“. Es sind im Übrigen nicht oder nicht primär jene, welche die selbsternannten Verteidiger „unserer liberalen Demokratie“ ausmachen.
Der Kulturkampf der Muslimbrüder
Ruhig und unaufgeregt, präzise, akribisch: So nähern sich Nina Scholz, Heiko Heinisch und Gustav E. Gustenau einem der brennendsten Probleme der Gegenwart, dem Vordringen des Islams. Konkret geht es um den „‚Civilization Jihad‘ der Muslimbruderschaft“, den die Autoren gleich im Titel unmissverständlich als „hybride Bedrohung Europas“ bezeichnen. Das Buch ist nicht als Verkaufsschlager konzipiert, sondern versteht sich als Studie zum Thema.
Belgrader Erzbischof: "Die Kirche ist eine offene Gesellschaft"
KURIER: Herr Kardinal, Sie haben sich kürzlich sehr kritisch zur ungarischen Kirche in der Ära von Viktor Orbán geäußert und eine Aufarbeitung dieser Zeit gefordert. Ladislav Nemet: Es ist interessant, dass man diesen Beitrag von mir im deutschsprachigen Raum als „sehr kritisch“ bewertet. Im ungarischen Original ist er deutlich ausgewogener. Ich habe eher einen Spiegel vorgehalten und dazu motiviert, die vergangenen Jahre zu reflektieren.
Die katholische Soziallehre in Zeiten der Künstlichen Intelligenz
Die titelgebenden (lateinischen) Anfangsworte päpstlicher Dokumente sind stets so gewählt, dass sie die Stoßrichtung des gesamten Schreibens erkennen lassen: „Magnifica humanitas“ („Großartige Menschheit“) ist die mit Spannung erwartete erste Enzyklika von Papst Leo XIV. überschrieben – und es geht ihr eben vor allem darum: das Humanum, das Menschliche in seinem vollen, „großartigen“ Sinne in Zeiten vielfältiger Bedrohungen und Herausforderungen durch die Digitalisierung zu bewahren.
Der digitale Turmbau zu Babel
Wohin gehen wir? Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollen wir als Menschheit und als Völker einschlagen?“ Diese Fragen hält Papst Leo XIV. angesichts der „rasanten Übergangsphase“, die wir gerade durchleben, zu Recht für dringlich. „In einer Art Wartestellung verharren, aus der Ferne beobachten und einfach hoffen, dass alles gut gehen wird“, sei zu wenig, schreibt er in seiner ersten Enzyklika „Magnifica humanitas“ („Großartige Menschheit“).
Adelsprädikat "umstritten"
Dass in einem Land, in dem die Freiheit der Wissenschaft verfassungsrechtlich verankert sei, ein „Preis für Wissenschaftsfreiheit“ verliehen werde, entbehre nicht einer gewissen Pikanterie, vermerkte der Philosoph Konrad Paul Liessmann mit feiner Ironie.
Selbstreform in letzter Minute
Titel und Untertitel kommen recht unverfänglich daher: „Der Fürst und seine Erben. Über große Männer im Zeichen der gewöhnlichen Leute“ heißt das neue Buch von Peter Sloterdijk. Doch das Cover lässt keinen Zweifel, um wen es geht – zeigt es doch Donald Trump im Gewande des Renaissancefürsten Cesare Borgia in der zeitgenössischen Darstellung durch Giorgione (15./16. Jh.).
Der arbeitende Mensch
Tag der Arbeit – das klingt wie ein Gruß aus vergangenen Zeiten. Einst das Hochamt der Sozialdemokratie, eine Art politisch-ideologische Selbstvergewisserung, auf der richtigen Seite der Geschichte, sprich des (sozialen) Fortschritts zu stehen („Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen …“). In seiner – nicht zu gering zu veranschlagenden – Bedeutung diesbezüglich (Selbstvergewisserung) vergleichbar mit Palmweihe und Fronleichnamsprozession für den Katholizismus.
Segnung homosexueller Paare: Papst gegen Marx
Nicht nur mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. Meinungsverschiedenheiten, auch mit einem der mächtigsten deutschen Kirchenmänner, dem Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Letztere sind freilich völlig anderer Natur: Es geht um die in der katholischen Kirche in hohem Maße polarisierende Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften (wie auch anderer nach katholischer Lehre in „irregulären Verhältnissen“ lebender Paare, z. B. wiederverheiratete Geschiedene).
Nachwehen von Türkis-Grün und schwarz-rot-pinke Perspektiven
Es ist 800 Seiten dick, erstmals Hardcover statt Paperback – und auf dem Buchdeckel prangt lorbeerumkränzt „50. Ausgabe“: Längst ist das „Österreichische Jahrbuch für Politik“ das Standardwerk zu den (nicht nur innen-)politischen Entwicklungen des jeweiligen Jahres. Spiritus Rector des Projekts und informelles Oberhaupt des Herausgebergremiums ist Andreas Khol, der im Juli seinen 85. Geburtstag feiert.
Zwischen Abschottung und Anpassung
„Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“: Dieser Titel eines Buches des deutschen Theologen Jan Loffeld zieht sich als roter Faden durch den vorliegenden Band: Der in Wien lehrende Dogmatiker Jan-Heiner Tück stellt darin die Frage: „Wiederkehr der Säkularisierung?“ Der Untertitel präzisiert: „Der Streit um die religiöse Indifferenz“. Auf jene Indifferenz spielt nämlich Loffeld an, der seinerseits den Schriftsteller Martin Walser paraphrasiert.
Zweierlei US-Amerikaner: Leo XIV. und Donald Trump
Leo XIV. ist bekanntlich der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri. Bis dahin galt es als ausgemacht, dass das mächtigste Land der Welt nicht auch noch das Oberhaupt der weltgrößten Glaubensgemeinschaft stellen solle.
"Die Kirche muss das Ganze im Blick haben"
KURIER: Wie erklären Sie jemandem, der mit Glaube und Kirche nicht viel anfangen kann, was zu Ostern gefeiert wird? Anton Höslinger: Die Christen feiern den Tod und die Auferstehung Jesu – beides. Es ist das große Geheimnis, dass der Tod nicht das Ende gewesen ist, sondern Jesus in seiner Auferstehung den Tod besiegt hat und dadurch auch uns das ewige Leben geschenkt hat. Gott hält uns im Tod in seiner Hand.
Karfreitagszauber
Wie dünkt mich doch die Aue heut’ so schön!“, singt Richard Wagners Parsifal im dritten Aufzug der gleichnamigen Oper. „Das ist Karfreitagszauber, Herr!“, antwortet ihm der greise Gralsritter Gurnemanz.
Die Jugend und das Politsystem
Das mangelnde Vertrauen junger Menschen in das politische System evozierte dieser Tage besorgte Berichte und Kommentare. Es geht um eine Zusatzbefragung zum seit 2018 vom Institut Foresight erhobenen Demokratie-Monitor, welche die 16- bis 26-Jährigen in den Blick nimmt. Zentrales Ergebnis: Nur 44 Prozent der jungen Menschen sind davon überzeugt, dass das politische System gut funktioniert (2018, bei der ersten Erhebung, waren es noch 69 Prozent).
Neustadt-Propst leitet Hospiz in Jerusalem
Die diesjährige Frühjahrstagung der Österreichischen Bischofskonferenz – diesmal im Bildungshaus „Haus der Frauen“ im oststeirischen St. Johann bei Herberstein – war eine Premiere für Josef Grünwidl: Erstmals nahm er als Wiener Erzbischof an dieser Zusammenkunft teil. Dreimal jährlich treffen einander die zehn Diözesan- (inkl.
Demokratie, Freiheit, Toleranz
Mancher mag ja die einschlägigen Debatten über Cancel-Culture, Political Correctness, Wokeismus und dergleichen mehr für mittlerweile abgestanden halten. Tatsächlich wurde dazu vieles von vielen auf allen möglichen Plattformen gesagt. Aber das Thema ist keineswegs erledigt, selbst der durchschnittliche Beobachter des Zeitgeschehens stolpert immer wieder über einschlägige Anlassfälle, der Hang zur Zensur im Gewande von Toleranz und Menschenfreundlichkeit treibt immer neue, bizarre Blüten.
Ein interreligiöses Gespräch unter Freunden
Hermann Glettler, steirischstämmiger kunstsinniger Bischof von Innsbruck, zählt zu jenen österreichischen Hirten, welche immer wieder auch zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen. Gemeinsam mit dem muslimischen Theologen Abualwafa Mohammed hat er sich auf „Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft“ begeben. Sie tun das in Form eines Zwiegesprächs, gegliedert in fünf Kapitel.
Kommt ein Josef Kardinal Grünwidl?
Kardinal-Rauscher-, Kardinal-Nagl-, Kardinal-König-Platz: Schon das Wiener Straßenverzeichnis verweist (nicht nur mit diesen drei Namen) darauf, dass die Wiener Erzbischöfe meistens Kardinäle waren. Josef Grünwidl ist der 33. Bischof und der 17. Erzbischof von Wien (Diözese seit 1469, Erzdiözese seit 1722). Von den Erzbischöfen waren nur drei (im 19. Jh.) keine Kardinäle, von den Bischöfen davor war indes nur Melchior Khlesl (17. Jh.; auch nach ihm ist ein Platz benannt) Kardinal.
Debatte neu entfacht: "Lebensmächtigkeit des Zölibats überschätzt"
Erst war es ein Interview in der Süddeutschen Zeitung, dann die Auftritte bei Opernball, Rainer-Ausstellung und Benefizveranstaltungen, die zu großen Berichten über den Wiener Dompfarrer Toni Faber und seine Freundin führten. Bilder und Berichte, die die Debatte über den Zölibat weit über die Erzdiözese Wien hinaus befeuerten. Und das zu einem Zeitpunkt, als mit Josef Grünwidl gerade ein neuer Erzbischof installiert wurde.
Hoffnung auf eine neue Generation
Der eine Jahrgang 1982, der andere Jahrgang 1947 – beide im Lauf der Jahre im Bereich von Kultur und Medien tätig, seit zwei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden: Fabian Burstein, zur Zeit Intendant von Globart, und Peter Menasse, u. a. ehemaliger Chefredakteur des jüdischen Kulturmagazins Nu. In „Generation Delta“ unterhalten sich die beiden über Gott und die Welt, „jenseits von Jung und Alt“.
Ein heimatloser Rechter
Der Kampf um die Vorherrschaft im rechten/konservativen Lager wird in Deutschland mit aller Härte zwischen CDU/CSU und AfD geführt. Im Unterschied zu anderen Ländern, wo sich Ähnliches beobachten lässt, ist die die traditionellen Christdemokraten herausfordernde rechtspopulistische Partei ursprünglich selbst aus jenen hervorgegangen.
Bischöfe trafen mit FPÖ-Spitze zum Austausch zusammen
Zu einer nicht unspannenden Begegnung kam es am Donnerstag im Wiener Erzbischöflichen Palais: Vertreter der Österreichischen Bischofskonferenz (Biko) trafen mit einer Riege hochrangiger FPÖ-Politiker zusammen. Gespräche zwischen Kirche und im Parlament vertretenen Parteien finden seit einigen Jahren statt – das jüngste Treffen bildete den Auftakt der Reihe in dieser Legislaturperiode; begonnen wurde, wie meistens, mit der stärksten Fraktion, aktuell eben die FPÖ.
„Dienst der Versöhnung“ und „Wehret dem Unrecht“
Die Freimaurerei ist seit eh und je geheimnisumwoben und mythenumrankt – und somit ein dankbares Thema für publizistisch Tätige. Das gilt vielleicht noch mehr, wenn auch die Kirche ins Spiel kommt, ist diese doch selbst schon als jahrhundertealte religiös-spirituelle wie auch quasipolitische „Großmacht“ ein unerschöpflicher Fundus. Einer, der in beiden Welten zuhause ist, ist der Priester und Diplomat Michael Weninger.
Europas Geschichte als „Lernzusammenhang“
In einem ersten Band hatten Johann Frank und Johannes Berchtold die „Fundamente von Freiheit und Sicherheit in Europa“ in den Fokus genommen. Nun legen die beiden noch einmal nach: „Ethos der Macht“ heißt der noch weit umfangreichere zweite von ihnen herausgegebene Band – und auch hier geht es um Europa bzw. den „Westen“. Auch diesmal befindet sich der Philosoph Peter Sloterdijk unter den zahlreichen Autoren. Konstitutiv für Europa ist aus seiner Sicht ein im 14.
Franziska Madl, im Interview: "Wie es sich anfühlt, Mensch zu sein"
KURIER: Was bedeutet Weihnachten für Sie? Sr. Franziska Madl OP: Wir feiern zu Weihnachten das, worum es eigentlich geht: dass in Jesus Gott selbst Mensch geworden ist. Weil er wissen wollte, wie es sich anfühlt, Mensch zu sein. Für mich ist das einer der tröstlichsten Aspekte unseres Glaubens. Wie feiern Sie selbst? Je länger ich im Kloster bin, desto besser gefällt es mir, nicht mehr so zu feiern, wie man in der Familie Weihnachten feiert.
Die Paradoxie des Christentums
Vor 1.700 Jahren fand das Konzil von Nicäa (heute İznik, Türkei) statt – das erste von nach katholischer Zählung 21 Konzilien. Das ist kein bloß kirchenhistorisch relevanter Verweis auf ein sehr lange zurückliegendes Ereignis. Vielmehr wurde damals, im Jahr 325, im Grunde festgelegt, was auch heute noch den Kern des Glaubensbekenntnisses aller christlichen Konfessionen ausmacht: dass Jesus Christus Gott und Mensch zugleich ist.
Habsburg und die Idee Europas
Die „wichtigste Dynastie der Welt“ – so bezeichnet Roman Sandgruber im Untertitel die Habsburger. Wer sich aufgrund dessen monarchistische Verklärung erwartet, geht freilich fehl. Dem renommierten Wirtschafts- und Sozialhistoriker ist eine durchwegs differenzierte kritische Würdigung dieses für Österreich und Europa so prägenden Herrscherhauses gelungen. Leitend dabei die Überzeugung, dass dieses bei allen (auch schwerwiegenden) Fehlern und Schwächern „ein großartiges Erbe hinterlassen“ hat.
„Denker der Ordnung und Gemeinwohlorientierung“
Der Politik mangle es an programmatischer Grundlage, Parteien seien zu reinen Wahlkampforganisationen verkommen: Dergleichen Vorwürfe werden oft geäußert. Ein Buch aus der Werkstatt des Campus Tivoli (vormals Politische Akademie der ÖVP) will hier einen Gegenakzent setzen: „Stichwortgeber für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft“ werden hier porträtiert – „Denkerinnen und Denker der Ordnung, der Gemeinwohlorientierung und einer offenen Gesellschaft“, wie die Herausgeber im Vorwort schreiben.
Was das liberale Europa bedroht
Helmut Brandstätter, ehemaliger Chefredakteur und Herausgeber des KURIER, zur Zeit Neos-Abgeordneter im Europäischen Parlament, hat sein außen- und europapolitisches Credo vorgelegt. Die Kurzfassung steht bereits auf dem Buchcover: „Trump, Putin und ihre Marionetten“ bedrohen Europa. Die Marionetten sind „Kickl, Orbán, Fico, Weidel“ et al.
Trauer um Heinz Nußbaumer: Ein großer Versöhner und Brückenbauer
Der Fundus, aus dem er schöpfte, war schier unermesslich. Kaum ein Krisenherd der Welt, den er nicht bereist hatte, kaum einer der Großen und Mächtigen der letzten Jahrzehnte, den er nicht interviewt hatte: Die berufliche Biografie Heinz Nußbaumers spiegelt die geopolitischen Ereignisse gut zweier Jahrzehnte wider. Am Wochenende ist die Journalistenlegende im Alter von 82 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.
Von Heinrich VIII. zu Charles III.
„Du krönst das Jahr mit deiner Güte und deine Wolken lassen Fülle regnen“, so lautete eine Passage eines durchaus historisch zu nennenden ökumenischen Gebetes: Unter den weltberühmten Fresken Michelangelos und vor dem Hintergrund von dessen „Jüngstem Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle saßen Donnerstagmittag „Hausherr“ Papst Leo XIV. sowie der englische König Charles III., seines Zeichens weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche, gemeinsam mit Königin Camilla.
„Weltoffener Gottesmann“ für Missionsgebiet Wien
Die erwartete offizielle Bestätigung kam gestern, Donnerstag, noch nicht. Im mittäglichen vatikanischen Pressebulletin (Bollettino della Sala Stampa della Santa Sede), wo üblicherweise auch Bischofsernennungen verkündet werden, war von einem neuen Wiener Erzbischof keine Rede. Dennoch gilt die Sache seit Mittwochabend als fix: Der bisherige Apostolische Administrator Josef Grünwidl soll Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze der Erzdiözese Wien nachfolgen.
Ein guter Hirte für Wien
Lassen wir die mehrfach thematisierte und nicht wirklich befriedigend zu beantwortende Frage weg, warum es für diese Entscheidung neun Monate gebraucht hat – und schauen wir auf das, was ist, und damit in die Zukunft.
Klimawandel, nicht Klimakrise
Das Wort „Krise“ ist omnipräsent. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 ff. befindet sich die Welt im permanenten Krisenmodus, stolpert von einer Krise in die nächste – und kein Ende absehbar, zumal ja über allem als ultimative die sogenannte „Klimakrise“ steht. Deswegen spricht Konrad Paul Liessmann wohl vielen mit seiner Frage „Was nun?“ – so der Titel seines neuesten Buches – aus der Seele. Was aber ist eigentlich eine Krise?
Feig sind immer die anderen
Feigheit: Mit diesem Urteil ist man schnell zur Hand. Politiker, Entscheidungsträger aller Art gelten als „feig“, wenn sie das vom Kritiker für notwendig Erachtete nicht angehen. Aber auch im privaten Bereich heißt es oft, dieser oder jene sei zu „feig“ gewesen, einen bestimmten Schritt im Leben zu setzen.
Untätigkeit und Duckmäusertum
Bitte wie gut ist das denn! Da zerlegt jemand nach Strich und Faden den ganzen woken Zeitgeist-Irrsinn, brillant, kenntnisreich und faktenbasiert – vor allem aber ganz ohne Schaum vor dem Mund, ohne kulturpessimistische Tranigkeit, dafür höchst unterhaltsam und vergnüglich zu lesen. Die Rede ist von Vince Ebert, diplomierter Physiker und Kabarettist.
Carlo Acutis: "Cyber-Apostel" mit Laptop und Rosenkranz
„Carlo sagt uns, dass der Heilige in Wirklichkeit neben uns lebt, ins Internet geht, mit dem Computer spielt und mit Freunden lacht.“ Das ist die Botschaft, welche die katholische Kirche mit der Heiligsprechung des als „Cyber-Apostel“ bekannt gewordenen Carlo Acutis (1991– 2006) am kommenden Sonntag aussenden möchte. Der Satz stammt vom Franziskanerpater Marco Gaballo, dem Rektor der Basilika Santa Maria Maggiore in Assisi, wo Acutis in einem mit Glasfront ausgestatten Sarg ruht.
Kardinal Pizzaballa sagt Wien-Besuch wegen Lage in Nahost ab
Spätestens seit dem letzten Konklave ist er auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem. Der 60-jährige Franziskaner galt als möglicher Nachfolger von Papst Franziskus. Nun hätte er, der in seiner Funktion auch Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist, am übernächsten Wochenende (13./14. September) nach Wien kommen sollen, um an der Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom teilzunehmen.
Heinrich Neisser: Letzte umfassende Kraftanstrengung
DIE FURCHE: Was haben Sie persönlich für Erwartungen an die nun eingesetzte Historiker-Kommission, die den großen Komplex von Zwangsarbeit, Arisierungen und den daraus entstehenden Enschädigungsforderungen aufarbeiten soll? Heinrich Neisser: Ich glaube, die Kommission hat als erstes die Aufgabe, eine sehr komplizierte Wirklichkeit zu recherchieren und darzustellen, was dann die Grundlage für weiteres politisches Vorgehen sein muß.
Heinrich Neisser: „Demokratiepolitik stagniert“
Im ersten Teil des FURCHE-Gesprächs mit Heinrich Neisser ging es um die jüngste Debatte zur Vergangenheitsbewältigung und das, was die ÖPV von Edmund Stoiber lernen kann. Hier nun der zweite Teil des Interviews. DIE FURCHE: "Unsere Gesetzgebungsorgane sind zu einer Gesetzgebungsmaschinerie geworden: Dem Entwurf folgen Berichte, Hearings, Erste Lesung und Zweite Lesung, Abschlußberatungen usw. Wirkliche Debatten über den Stand der Republik gibt es nicht mehr." Dieses Zitat könnte von Ihnen sein ...
Wider den neuen Irrationalismus
Die Ausgangsthese dieses Buches: „Aberglaube blüht und gedeiht“ – und es lässt sich ein Riesengeschäft damit machen. Unter „Aberglaube“ bzw. „Pseudowissen“ fällt für den Autor fast alles: von Astrologie, Homöopathie, Ayurveda über Anthroposophie bis zur Impfgegnerschaft und Klimawandelleugnung.
Frauen und andere menstruierende Menschen
Mit großem Aplomb hat sich Laura Sachslehner 2022 aus der Bundespolitik zurückgezogen: Scharf rechnete sie mit ihrer Partei, der ÖVP, ab, welche in der damaligen Koalition mit den Grünen ihre eigenen Werte verrate. Worin diese Werte bestehen, hat sie seither in einigen Büchern mit unterschiedlicher thematischer Akzentsetzung zu skizzieren versucht: allesamt pointierte Streitschriften bürgerlicher Programmatik.
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