Solmaz Khorsand
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Articles by Solmaz Khorsand
Noam Shuster-Eliassi und ihre gefährliche Comedy
Tapfer genannt zu werden, mag vielen schmeicheln. Nicht Noam Shuster-Eliassi. Sie zuckt zusammen, als eine junge Frau ihr Mut bescheinigt. Höflich hört sie ihr zu, verschränkt nur die Arme vor der Brust und überschlägt die Beine, während sie mit dem Mikro in der Hand am Rand der provisorisch aufgebauten Bühne sitzt.
Syrische Gegenwartsbewältigung
Die Träume waren das Wichtigste im Gefängnis. Die einzige Verbindung zu den Liebsten, wenn sich ihre Gesichter, die über Jahre und Jahrzehnte in Gefangenschaft verblassten, plötzlich in den Schlaf schlichen. Jeden Morgen nach dem Aufwachen erzählten die Gefangenen einander, was sie geträumt hatten. Und dann ging das Interpretieren los, was es wohl heißen mochte, wenn einer mit einem Kamel spazieren ging und es zu einer Tränke brachte. „Es hieß: Du wirst bald frei sein“, erzählt Amer Matar.
Ist Europas „Send them back“-Politik legal?
Die Schwerpunkte von Völkerrechtsexpertin Dana Schmalz liegen bei internationalem und europäischem Menschenrechtsschutz sowie Rechtstheorie insbesondere in Bezug auf Migration, das Flüchtlingsrecht sowie Grundlagen des Völkerrechts. © Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquellen: Oliver Look, APA Images, Adobe Stock. #Politik #Demokratie Seit 12. Juni gilt der neue EU-Asyl- und Migrationspakt, der unter anderem die umstrittene Abschiebung abgelehnter Asylwerber:innen in Drittstaaten vorsieht.
Man nannte sie Mohammad
Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Einen kleinen Vertrauensvorschuss hat offenbar jeder verdient. Selbst die Taliban, wenn es nach österreichischen Politikern geht. In Kabul durchmarschiert Man solle die Islamisten an ihren Taten messen, meinte der ehemalige Außenminister Alexander Schallenberg im August 2021 großzügig in der „Zeit im Bild 2“.
Afghanische Fantasien Realität und Wunsch für Frauen fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban.
Im August jährt sich die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zum fünften Mal. Die Welt hat sich damit arrangiert. Die Afghaninnen nicht. Und beschwören in Berlin eine Utopie. Zu Besuch in einem anderen Afghanistan.
«Diese Frauen sind die mutigsten Journalistinnen der Welt»
«Die Afghaninnen haben sich verändert. Sie leisten Widerstand»: Zahra Joya. Ben McMahon Knapp 5 Jahre alt war Zahra Joya, als die Taliban 1996 zum ersten Mal an die Macht kamen. 29 beim zweiten Mal, im August 2021, als die US-Truppen und ihre Verbündeten nach 20 Jahren Krieg überstürzt das Land verliessen. Mit einem Schlag verschwanden Afghanistans Frauen und Mädchen aus der Öffentlichkeit.
Netanjahu sieht sich als Churchill Iran als Nazi-Deutschland
Lior Betzalel Sternfeld ist Professor für Geschichte und Jüdische Studien an der Penn State University in den USA. © Illustration: WZ, Bildquelle: x.com/LiorSternfeld #Politik #Nahost Am 12. Juni jährt sich der Krieg zwischen Israel und dem Iran. Der israelische Historiker Lior Sternfeld erklärt im Gespräch mit der WZ, was die vermeintlichen „Erzfeinde“ verbindet und was sie schlussendlich getrennt hat.
Furchtlos und funkelnd
Als Kind war mir Cher unheimlich. Ich hatte ein wenig Angst vor der Frau mit der grossen Mähne, diesem süffisanten Lächeln und dem Blick, die mir zu verstehen gaben, dass man einer wie ihr nichts vormachen konnte. Und dann erst diese Outfits! Durchsichtig, knapp, fast inexistent. Irritierend für mein kindliches Ich. Zu meiner Verteidigung: Meine erste Erinnerung an Cher war das Musikvideo «If I Could Turn Back Time».
«Irans Regime ist rachsüchtiger geworden»
Die Welt zerbricht sich den Kopf über die blockierte Strasse von Hormuz und die steigenden Energiepreise infolge des US-israelischen Krieges gegen Iran. Die Menschen in Iran hingegen sind in Vergessenheit geraten – obwohl die blutige Repression im Land zunimmt.
Pop-Ikone Cher wird 80 : Sie zeigt uns, wie man mit hysterischen Männern umgeht
Unsere Autorin hatte Angst vor Cher, weil sie das war, was jeder Gesellschaft immer schon Angst machte: Eine freie Frau, die sich einen Dreck darum schert, was andere über sie denken von Solmaz Khorsand Hommage, FALTER 19/2026 , 05.05.2026 Cher posiert 1981 in Los Angeles für ein Porträt. Anfang der 1980er wurde die Künstlerin auch zum Filmstar Foto: Getty Images/Harry Langton Anzeige Als Kind hat mir Cher ein bisschen Angst gemacht. Damals konnte ich nicht benennen, warum.
«Iran war immer auch eine Ablenkung von der Palästina-Frage»
Es war vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Krieg zwischen Israel und Iran kommen würde. Denn worin soll eine Erzfeindschaft gipfeln, wenn nicht in einem Krieg? Seit der Iranischen Revolution von 1979 drohen die islamistischen Machthaber in Teheran dem «zionistischen Regime», wie sie Israel nennen, mit der Vernichtung. Genauso lange warnen israelische Politiker vor einem «zweiten Holocaust» durch Iran. Doch die beiden Länder waren einst Verbündete, selbst nach der Revolution.
Dear White Colleagues
Dein Browser unterstützt leider keine Videos! Ein Kommentar von WZ-Autorin Solmaz Khorsand. © Illustration: WZ #Gesellschaft #Arbeit Oder: Der einzige Rat, den ich bereit bin, Kolleg:innen kostenlos und aus reiner Kollegialität noch zu erteilen, damit sie ihr Gesicht wahren können. Es gibt da diese eine Serie auf Netflix.
Persische Kriegsversteher – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe April 2026 Wenn es schwül und stickig ist, wünscht man sich ein Gewitter. Eines, das die Luft reinigt und alles Erstickende und Drückende vertreibt. Auf der Weltbühne äußert sich dieser Wunsch seit geraumer Zeit ähnlich: mit der Vorstellung, dass Krieg dieses reinigende Gewitter sein könnte. Dass alles Erstickende mit einem Bombenschauer erledigt sein werde. Tod und Zerstörung sind in dieser Vorstellung noch nicht einmal Fußnoten.
Ganz offen gesagt Wie stabil ist das iranische Regime?
Knapp einen Monat dauert der Irankrieg bereits. Er hat die gesamte Region und auch den Rest der Welt in Mitleidenschaft gezogen. Doch das Regime scheint weiterhin fest im Sattel zu sitzen. Solmaz Khorsand spricht mit dem Zeit-Journalisten Omid Rezaee über die aktuellen Entwicklungen im Irankrieg.
Wir lieben Männer – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe März 2026 Sich zu solidarisieren kann knifflig sein. Auch hier gibt es eine gewisse Etikette. Als absoluter Fehltritt gilt das ›Virtue Signaling‹. Unter ›Tugendposen‹ versteht man die öffentliche und performative Zurschaustellung moralischer Werte, um sein eigenes Ansehen zu steigern, ohne tatsächlich davon überzeugt zu sein, geschweige denn danach zu handeln.
Iran: Mit einem Enthauptungsschlag ist es nicht getan
In der persischen Mythologie gibt es einen Bösewicht, den alle Menschen im Iran kennen: Zahhak. Eine Figur aus dem Nationalepos „Shahnameh“, dem Buch der Könige des Dichters Firdosi. Zahhak symbolisiert den Prototyp des Tyrannen. Er verfällt dem Bösen, das ihn in Gestalt seines devoten Kochs auf die Schultern küsst, wo ihm zwei Schlangen entwachsen, vor denen sich Zahhak nur schützen kann, wenn er sie von nun an mit den Gehirnen junger Männer füttert.
Über Kurdinnen, Rojava und wehrhafte Frauenzöpfe
25. Februar 2026, 12:27 Uhr Im Jänner kam es in Syrien zu Kämpfen zwischen der Armee der syrischen Übergangsregierung von Ahmed al-Scharah und dem kurdischen Militärbündnis SDF. Ende des Monats wurde dann ein Waffenstillstand beschlossen und auch ein Abkommen unterzeichnet, aber die kurdische Selbstverwaltung Rojava scheint damit zunächst beendet worden zu sein.
Eine waidwunde Nation, die sich nicht einschüchtern lässt
Irgendwo war da für einen Moment die Hoffnung, dass die Islamische Republik ihren 47. Jahrestag nicht mehr erleben wird. Dass sie an diesem 11. Februar, dem Tag, der als Sieg der Islamisten in der Revolution von 1979 gegen die Shah-Diktatur markiert wurde, nichts zu feiern hat. Weil sie schlichtweg nicht mehr existiert. Kennst du schon?: Inflation in Österreich sinkt auf zwei Prozent Knapp ein Monat ist nun vergangen, seit das Regime mit scharfer Munition auf die eigene Bevölkerung geschossen hat.
Der faschistische Heilsbringer – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe Februar 2026 Es watschelt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, quakt wie eine Ente. Dann ist es vermutlich eine Ente. So einfach ist das mit der Bestimmung gewisser Tatsachen. Das gleiche gilt für die aktuelle US-Administration. Zumal sie ihren ›Entenstatus‹ selbst bestätigt hat.
Über die Lage im Iran
28. Januar 2026, 10:33 Uhr Was im Iran gerade passiert, ist schwer in Worte zu fassen. Zehntausende Tote, Verwundete, die aus Krankenhäusern entführt werden und dann getötet und Ärzte, die bedroht werden ihren Mitbürgerinnen zu helfen. Der Arzt und Menschenrechtsaktivist Hamid Hemmarpour versucht es im Gespräch trotzdem und gibt einen Überblick über die Lage in seinem Heimatland. Solmaz Khorsand Herzlich willkommen bei Ganz Offen Gesagt.
Samin Aghaeihajiagha: "Hier riskiere ich nicht mein Leben"
Die schlaflosen Nächte sind ihr anzusehen. Tag und Nacht verfolgt Samin Aghaeihajiagha die Proteste in ihrem Heimatland Iran. Sie selbst ist dort keine Unbekannte: Seit Jahren zeigt die 34-Jährige in Videos, wie man Cocktails mixt – und erreicht damit ein Millionenpublikum im Iran, wo der Besitz, der Verkauf und der Konsum von Alkohol unter Strafe steht.
Iran: Wenn ein Regime seine Schergen nicht mehr bezahlen kann
Seit knapp zwei Wochen protestiert die iranische Bevölkerung erneut gegen das Regime der Islamischen Republik. Was als Protest von Handyshop-Betreibern in Teheran gegen den Währungsverfall begonnen hat, hat sich schnell zur Bewegung gegen das gesamte System formiert.
Entbestialisierung – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe Dezember 2025/Jänner 2026 Es gibt verschiedene Formen der Komplizenschaft. Gleichgültigkeit ist vermutlich die am weitesten verbreitete. Jene, der sich jeder und jede schon einmal schuldig gemacht hat. Selbst beim Bestialischsten. Da ist sie unentschuldbar. Weil sie das Bestialische normalisiert. Es zum Konsens einer Gesellschaft werden lässt. Deswegen hört man auch so oft die Empörten sagen: Wo bleibt der Aufschrei?
Pfeifen alle auf die Menschenrechte?
3. Dezember 2025, 11:09 Uhr Es gibt Gedenktage, die pompös gefeiert werden. Der Tag der Menschenrechte gehört nicht dazu. Dabei hätte er viel mehr Aufmerksamkeit verdient, denn die Menschenrechte sind die Grundlage unseres zivilisierten Zusammenlebens. Daher möchte die aktuelle Folge anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember daran erinnern, welche Errungenschaft es war, die Menschenrechte in Konventionen und Verfassungen zu verankern.
Die Mutter aller Lösungen – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe November 2025 Die Mutter aller Probleme sei die Migration, hat ein deutscher Politiker einmal gesagt. Der Satz ist längst zum globalen Mantra geworden. Donald Trump lässt Migranten in seinem Land von vermummten Beamten jagen, Friedrich Merz stören sie im Stadtbild, und man möchte ihn fragen, ob er es seinem Buddy, dem US-Präsidenten, bald gleichtun möchte.
Gelingt Serbiens Protestierenden der Regierungssturz?
29. Oktober 2025, 13:39 Uhr Am 1. November jährt sich zum ersten Mal das Unglück von Novi Sad. Zu Mittag war damals das Vordach des Hauptbahnhofes eingestürzt. 14 Menschen kamen vor Ort ums Leben, zwei weitere erlagen später ihren Verletzungen. Das Unglück löste die größte Protestwelle in Serbien aus. Der Vorfall wurde zum Symbol für die korrupte Regierung von Präsident Aleksandar Vučić.
Uns-rifiziert - DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe Oktober 2025 Wer zum Nationalfeiertag patriotisch reflektiert die Seele baumeln lassen will, dem sei der neue Film von Olga Kosanović wärmstens empfohlen. In ›Noch lange keine Lipizzaner‹ dokumentiert sie die Odyssee jener, die Österreicher werden wollen, auch anhand der eigenen Geschichte. Geboren und aufgewachsen in Österreich, als Tochter serbischer Eltern, wollte Kosanović nach dem Studium die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen.
„Protest ist ein gesellschaftliches Grundrauschen“
© Illustration: WZ, Fotocredit: Ali Kanaan #Gesellschaft #Demokratie Proteste werden oft belächelt – bis sie Regime stürzen. Der deutsche Protestforscher Tareq Sydiq erklärt, warum wir unsere Erwartungshaltung gegenüber Protesten ändern müssen und warum wir so gerne die Autokratisierungserfolge im Westen schönreden. WZ | Solmaz Khorsand Gibt es eine Erfolgsformel für gelungenen Protest?
Die nächste Kriegsrunde – DATUM
· Illustration: Blagovesta Bakardjieva DATUM Ausgabe September 2025 Es liegt was in der Luft, sagen iranische Freundinnen. Es wird wieder etwas passieren, israelische Freunde. Die einen mit Furcht in der Stimme, die anderen mit Resignation. Selbst möchte man nur die Ohren und Augen davor verschließen, was Kommentatoren für die nächsten Wochen und Monate für die beiden Länder prognostizieren. Der Krieg zwischen Israel und Iran wird in die nächste Runde gehen.
Putins Arche für „traditionsbewusste“ Westler:innen
Russlands Präsident Wladimir Putin hat ein Herz für Migrant:innen aus dem Westen. Sie sind Teil seiner „humanitären Mission“: Bürger:innen aus 46 Ländern will er den Weg in sein Land ebnen, wenn ihnen zu Hause die liberale Decke auf dem Kopf fällt. Dafür müssen sie nichts können. Sie brauchen keine Russisch-Kenntnisse, müssen nichts über das Land, die Geschichte oder die Kultur wissen, noch nicht einmal die Gesetze kennen.
Wie geht das, Frieden?
Sein Fach war immer schon ein Orchideenfach, gesteht Maximilian Lakitsch. Studierbar an wenigen Hochschulen, hinausgetragen in die Welt von einigen Idealist:innen, die für ihre Expertise auch noch belächelt wurden. Aber in diesen Tagen spürt Lakitsch die Häme für seine Arbeit besonders stark. Lakitsch ist Friedensforscher. „Man hat es sehr schwer heute, das Thema Frieden im Diskurs unterzubringen“, sagt er im Gespräch mit der WZ.
Krieg befreit niemanden – DATUM
Jedes Mal, wenn es danach aussah, dass sich Dinge im Iran ändern würden, war diese Hoffnung bemerkbar unter Iranerinnen. Dass sich die Dinge zum Guten verändern werden. Dass ihr jahrzehntelanger Kampf für Demokratie und Freiheit in ihrer Heimat, die seit 1979 Islamische Republik heißt, nun endlich Früchte trägt. Bei jedem Protest, jeder Versammlung, jedem vertraulichen Gespräch ist sie dann da, diese Hoffnung.
Blaxit - DATUM
DATUM Ausgabe Juli/August 2025 Es gibt Momente im Leben, in denen man einfach ansteht. Nicht, weil einem der Mut fehlt, über Hindernisse zu springen oder die Hartnäckigkeit, über Umwege ans Ziel zu kommen, sondern weil einem irgendwann unmissverständlich klargemacht wird: bis hierher und nicht weiter. Sei dankbar, dass du es überhaupt bis hierher geschafft hast. Dass wir dich bis hierher haben kommen lassen. Salamata Konte stand vor acht Jahren in so einer Sackgasse. Da war sie 28 Jahre alt.
Ein Nein zum Krieg
„Stell dir vor, diese Raketen sind nur Sterne und wir sind nicht im Nahen Osten“. Das sind die ersten Zeilen von Shervin Hajipours Lied „Setareh“ (Sterne). Vor knapp sieben Monaten hat der Musiker es herausgebracht. Heute wird es in den sozialen Medien iranischer Accounts rauf und runter gespielt. Hajipour, der mit „Baraye“ (Für) vor drei Jahren die Hymne der feministischen Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ gesungen hat, liefert auch dieser Tage wieder den Soundtrack der iranischen Realität.
Brillante Männer – DATUM
Vermutlich ist es eine Unart, Erwartungen an sein Umfeld zu stellen. Auch an ein Umfeld, das für seine Denke gesellschaftlich anerkannt ist, auf Podien eingeladen wird, in Feuilletons seine Sicht artikulieren darf und mit seinem ganzen Sein Einfluss auf die Überreste einer Welt hat, in der Dinge wie Diskurshoheit und Kanon noch eine Rolle spielen. Vermutlich ist es unglaublich klassistisch. Warum sollte ich an eine Uniprofessorin höhere intellektuelle Erwartungen stellen als an einen Kellner?
Polens vergeigtes Märchen
Der Seufzer am anderen Ende der Leitung ist unüberhörbar. Wieder einer dieser Anrufe, bei dem man sich Hoffnung aus Polen wünscht. Wieder soll man die Mär über Premierminister Donald Tusk erzählen, wie es ihm gelang, im Oktober 2023 die regierenden Populisten der Recht-und Gerechtigkeitspartei (PiS) bei der Parlamentswahl aus dem Amt zu jagen.
Die polnische Blaupause – DATUM
Als würde man die Schäden einer Atombombe mit einem Löffel beseitigen. So beschreibt Dariusz Mazur, Polens stellvertretender Justizminister, jüngst im niederländischen Volkskrant den Kraftakt, sein Land wieder auf den Weg der Rechtsstaatlichkeit zu bringen. Seit knapp eineinhalb Jahren wird in Polen nur gelöffelt. Dabei hat alles so vielversprechend angefangen, als im Oktober 2023 Polens Opposition das scheinbar Unmögliche gelungen war.
„Uns Roma hassen manche so sehr, dass sie uns eine Bombe vor die Tür stellen“
Am 4. Februar jährt sich zum 30. Mal das Rohrbombenattentat von Oberwart, bei dem vier Roma ermordet wurden. Die Politikerin Manuela Horvath erinnert sich an den Tag, an dem sie nicht vergessen sollte, was es heißt, eine Romni zu sein. WZ | Solmaz Khorsand Sie waren zehn Jahre alt, als ihre Cousins Erwin und Karl Horvath und deren Freunde Peter Sarközy und Josef Simon von einer Rohrbombe getötet wurden. Woran erinnern Sie sich heute noch?
„Die Zensur war ein Indikator, wo wir hinschauen sollten“
Der Datenjournalist Christo Buschek ist Österreichs erster und bislang einziger Pulitzerpreisträger. Mit seiner Software konnte er nicht nur Chinas Netz an Internierungslagern aufdecken, sondern auch Kriegsverbrechen in aller Welt dokumentieren. WZ | Solmaz Khorsand Sie haben 2021 mit ihren Kolleginnen Megha Rajagopalan und Alison Killing den Pulitzerpreis für ihre Recherche über die Internierungslager in China gewonnen.
Wien, du alter Punk!
Wien ist anders, heißt es oft. Wenn wir, die wir in dieser Stadt leben, diesen Satz sagen, dann meinen wir bekennenden Städter, eine Minderheit in diesem Land, etwas komplett anderes als die vielen Nichtstädter, die die Mehrheit in diesem Land stellen. Was wir mit Stolz postulieren, spucken andere mit Verachtung aus. Wien ist anders. Laut, dreckig, stinkig, kriminell – und so viele Ausländer. Der absolute Albtraum.
Der ewige Spielverderber
Misstrauen zählt zum Fundament einer liberalen demokratischen Grundordnung. Es als Problem zu stigmatisieren, das es zu überwinden gilt, wird seiner Urkraft nicht gerecht. Nach jeder Wahl schleicht sich bei manchen ein Gefühl des Misstrauens ein: Schwarz auf weiß ist zu sehen, wie sie tickt, diese Gesellschaft. Wonach eine Mehrheit ihren moralischen Kompass ausgerichtet hat.
„Wir müssen darauf achten, menschlich zu bleiben“
Der israelische Historiker Moshe Zimmermann zieht Bilanz, wie sich sein Land ein Jahr nach dem 7. Oktober verändert hat – und geht mit der extremistischen Regierung von Premier Benjamin Netanjahu scharf ins Gericht. WZ | Solmaz Khorsand Ein Jahr nach dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober und dem Krieg in Gaza sitzt Israels einst angeschlagener Premier Benjamin Netanjahu fest im Sattel. Israels Invasion ins Nachbarland Libanon befürworten 80 Prozent der Israelis.
Österreich will nicht gerettet werden: Eine Momentaufnahme aus dem Nachbarland
Humor wird in Österreich grossgeschrieben. Wir mögen es zu lachen. Offen und direkt, und umso mehr hinterfotzig und dreckig. Das wissen alle. Auch jene, die nicht wirklich dazugehören, diese Abertausenden Menschen, die in diesem Text nicht euphemisiert werden wie in den offiziellen Diskursen, sondern als das bezeichnet, was sie in Österreich für die meisten immer sind, immer bleiben werden: die Ausländer. Auch sie haben das mit dem österreichischen Humor schnell gelernt.
Mit Abtreibungen ins Weiße Haus
Joe Biden konnte das Wort „Abtreibung“ nicht einmal aussprechen. Als gläubiger Katholik wurde der amtierende US-Präsident nie warm mit dem Thema. Daher konnte er es auch nie politisch für seine Partei ausschlachten, als er noch im Rennen um eine zweite Amtszeit war. Seine Vizepräsidentin und demokratische Präsidentschaftskandidatin, Kamala Harris, schon – sie tut es auch. Mit Bravour.
Deepfakes im Wahlkampf
Es amüsiert, Bilder vom Papst zu sehen, wie er im weißen Gangster-Daunenmantel, behangen mit dicken Goldketten um den Hals, vor Paparrazi posiert. Oder einen Clip mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin im schulterfreien Regenbogenkleid, wie er einen Laufsteg entlanggeht. Oder ein Video von US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris, wie sie gemeinsam mit ihrem Kontrahenten Donald Trump liebevoll ein Duett vor dem Hintergrund chinesischer Landschaften singt – auf Mandarin.
Im deutschen Osten werden neue Landtage gewählt. Die AfD führt in Umfragen. | Wiener Zeitung
1,7 Millionen Wahlberechtigte in Thüringen, 3,2 Millionen in Sachsen und 2,1 Millionen in Brandenburg. Über diese knapp sieben Millionen Menschen zerbricht sich ganz Deutschland seit Monaten den Kopf. Werden sie diesen September in den drei ostdeutschen Bundesländern die rechtsextreme AfD (Alternative für Deutschland) zur stimmenstärksten Partei wählen, wie es die Umfragen voraussagen? Kennst du schon?: Wie spricht die Politik? Am 1. September wählen sie in Thüringen und Sachsen den Landtag, am 22.
Revolte? Ja, aber nicht vor meiner Tür!
Das Wort Nein geht uns oft auf die Nerven. Seine Dringlichkeit erschließt sich vielen nicht. Uns geht es doch gut. Klar könnte es immer besser sein, zivilisierter, entwickelter, anständiger. Aber braucht es dafür gleich eine Demonstration? Jede Revolte beginnt mit vier Buchstaben. Das hat Albert Camus in seinem Essay „Der Mensch in der Revolte“ gleich am Anfang klar gemacht: „Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der Nein sagt.“ Nein. Ein mächtiges Wort. Eines, das vielen Angst macht.
Wie der Rechtsextremismus in Frankreich wählbar wurde
In Frankreich konnte die Absolute der Rechtsextremen verhindert werden. Historiker Jérôme Segal erklärt, wie es nun weitergehen könnte – und warum es ihn als Jude traumatisiert, dass so viele Jüdinnen und Juden Marine Le Pen ihre Stimme gaben. Frankreichs Brandmauer gegen die Rechtsextremen hat gehalten.
„Die ökologische Klasse muss die Macht übernehmen"
Der dänische Soziologe Nikolaj Schultz trifft mit seinem gefeierten Essay „Landkrank“ das Lebensgefühl aller an der Klimakrise Verzweifelten – und trägt nebenbei dazu bei, dass sich eine ökologische Klasse ihrer Ideologie und ihrer schlummernden Macht besinnt. Gespräch mit einem Klassenkämpfer der anderen Art. Lässt sich realistisch und trotzdem hoffnungsvoll über die Klimakrise schreiben? Dem dänischen Soziologen Nikolaj Schultz scheint das in seinem Essay „Landkrank“ gelungen zu sein.
Wie das Kino zu sterben aufhörte
Es mag für manche wie eine liebenswürdige Anekdote aus alten Zeiten klingen, wenn man erzählt, wie man einst in seiner Jugend vor Jahren (oder Jahrzehnten) Kinokarten reserviert hat. Man wollte auf der sicheren Seite stehen, weil die Gefahr bestand, dass man am selben Abend keinen guten Platz mehr bekommen könnte. Abseits von Festivals besteht diese Gefahr in Wien schon lang nicht mehr. Irrtum. Sie bestand lang nicht. Vergangenheit. Mittlerweile ist es wieder ratsam, Karten zu reservieren.
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